Jahresabschluss ante portas: Die Stunde der Working Capital-Spezialisten
Zum Jahresende stehen Cashflow, Verschuldungskennzahlen und Covenants besonders im Fokus. Doch wie lässt sich zusätzliche Liquidität freisetzen, ohne Lieferantenbeziehungen zu belasten oder das Rating zu gefährden? Im Gespräch mit cflox-Kollege Alexander Mutter erläutern AMG Lithium GmbH-CFO Holger Müller, LBBW-Ratingexperte Martin Amann und Prof. Harald Kessler, welche Hebel das Working Capital Management bietet, worauf es bei der bilanziellen Behandlung ankommt und wie Unternehmen ihre Liquidität gezielt steuern können.
Das vierte Quartal steht alljährlich im Zeichen der Jahresabschlüsse – CFO und Treasury sind gefordert, Kennzahlen und Cashflows noch einmal gezielt zu optimieren, um die Interessen des Unternehmens bestmöglich zu wahren. Dabei empfiehlt es sich, auch die Perspektive der Stakeholder einzunehmen: von Lieferanten, die ihre Forderungen zeitnah beglichen sehen möchten, bis hin zu Bonitätsprüfern bei Banken und Ratingagenturen, die das Ausfallrisiko bewerten. cflox-Experte Alexander Mutter sprach mit renommierten Experten über die Stellschrauben im Working Capital Management rund um den Jahresabschluss. Mit von der Partie waren Holger Müller, CFO der AMG Lithium GmbH, Martin Amann, Managing Director und Head of Rating Advisory der LBBW, sowie Prof. Harald Kessler, Geschäftsführer der KLS Accounting & Valuation GmbH.
Die Hebel der smarten Cashflow-Steuerung – Blick auf die Lieferantenbeziehung
Wer im Treasury Verantwortung trägt und keine Potentiale verschenken möchte, kommt am aktiven Cashflow-Management derzeit kaum vorbei. Bevor Maßnahmen jedoch greifen können, müssen Unternehmen den Bedarf an Working Capital sauber herausarbeiten. Häufig sind die Bestimmungsfaktoren vielfältiger als gedacht. Zu denken ist etwa an eine angespannte Lieferkette, die höhere Sicherheitsbestände im Lager erzwingt.
Für Holger Müller, CFO der AMG Lithium GmbH, ist das Abwägen und Managen Alltag: Als Unternehmen der chemischen Industrie kauft AMG Rohstoffe weltweit ein. Lange Lieferketten und Verschiffungszeiten, die sich bei externen Schocks wie Pandemie, Kriegen oder gesperrten Logistikwegen weiter verlängern, führen zu einer hohen strukturellen Kapitalbindung. Hinzu kommen volatile Beschaffungsmärkte, denn viele Rohstoffe sind knapp und an Weltmarktpreise gekoppelt. Kommen dann noch Investitionen in neue Produktionskapazitäten hinzu, um für künftiges Wachstum gerüstet zu sein, ist schnell ein erheblicher Teil der Liquidität gebunden. Spätestens an diesem Punkt muss Treasury reagieren und Möglichkeiten zur Optimierung sondieren. Besonders zum Jahresende ist der Moment gekommen, das Erreichen der Liquiditäts- und Leverage-Ratio-Ziele sowie die Einhaltung der Covenants kritisch zu hinterfragen.
In den Fokus rücken dabei vor allem die Verbindlichkeiten. Längere Zahlungsziele sind ein klassischer Weg, um zusätzliche Liquidität freizusetzen bzw. länger anderweitig nutzen zu können. Doch wer dafür mit jedem Lieferanten gesondert verhandeln will, stößt rasch an Grenzen – vor allem entlang strapazierter Lieferketten. Für die CFOs ist das Forecasting über einen Dreimonatszeitraum oft eine Herausforderung, bei der kurzfristige Tools und Instrumente zum Einsatz kommen.
Unsere Lösung cflox pay hat sich hier als digitale Zahlungslösung zur Working Capital-Optimierung dank zusätzlicher Zahlungsziele bewährt, kann unabhängig und kurzfristig Liquidität bereitstellen und die Flexibilität verbessern. Herausforderungen wie eine hohe strukturelle Kapitalbindung aufgrund komplexer Lieferketten oder auch volatiler Beschaffungsmärkte lassen sich problemlos meistern. So kann eine Verbesserung des Cash Conversion Cycle den freien Cashflow erhöhen und die Liquiditätssituation verbessern. Gleichzeitig lässt sich die Strukturierung der Supply Chain vereinfach, da ein individuelles Lieferanten-Onboarding entfällt.
Genau hier setzte die AMG Lithium GmbH mit cflox pay an: Ziel ist es, Free Cashflow zu erhöhen und den Cash Conversion Cycle zu verkürzen. Verlängerte Zahlungsziele sollten dabei den zusätzlichen Liquiditätsbedarf durch höhere Lagebestände (Days Inventory Outstanding) abfedern – bei Ausweis der Zahlungen im operativen statt Finanzierungs-Cashflow. Ebenso wichtig waren Müller eine schlanke Umsetzung ohne Zweckgesellschaft, zusätzlicher Finanzierungsspielraum bei steigenden Rohstoffpreisen und die Möglichkeit, Verbindlichkeiten in US-Dollar zu finanzieren.
„Der Lieferant bekommt das gar nicht mit“, beschreibt Müller den Ablauf: Die Zahlungen laufen über den normalen Zahlungslauf im ERP-System, cflox begleicht als Zahlungsdienstleister die Rechnung beim Lieferanten und refinanziert das um 60 Tage verlängerte Zahlungsziel über ihre Refinanzierungsmöglichkeiten bei Finanzinstituten.. Nach Ablauf der 60 Tage begleicht AMG die Verbindlichkeit bei cflox. Das Ergebnis: vereinfachte Prozesse und mehr finanzielle Flexibilität.
Lieferkettenfinanzierung richtig bilanzieren: Was Unternehmen jetzt beachten sollten
Zahlungsziele bei Lieferanten zu verlängern, ist eines der schnellsten Mittel, um vor den Abschlussstichtagen, besonders vor dem Jahresende, Liquidität zu schaffen. Ob sich das in den Kennzahlen zeigt, hängt an der Bilanzierung. Prof. Dr. Harald Kessler stellt heraus: „Entscheidend ist, ob eine neu eingegangene Verbindlichkeit als operative Schuld gilt oder als Finanzverbindlichkeit. Davon hängen der freie Cashflow, Verschuldungsgrad und damit mittelbar das Rating ab.“
Die Grenze ist weniger streng, als viele annehmen. Eine operative Schuld muss Lieferantenverbindlichkeiten in Funktion und Natur ähneln: Sie ist essenzieller Teil des Working-Capital-Managements – die Laufzeit wird nur moderat verlängert, es gibt keine zusätzliche Besicherung und keinen Währungswechsel. „Wenn die Laufzeit der aus dem Working Capital-Management hervorgehenden Verbindlichkeiten nicht signifikant länger ist als jene der ursprünglichen Lieferantenschulden ist eine wesentliche Voraussetzung für den zusammengefassten Ausweis erfüllt“, erläutert Kessler. Zahlungslösungen wie cflox pay, die dieser Bedingungen genügen, lassen sich deshalb regelmäßig als „sonstige Verbindlichkeit“ ausweisen und wirken sich auf den operativen Cashflow aus.
Mit IFRS 18 wird die Lage weniger eindeutig, denn der Standardsetzer hat die bisher maßgebliche Auslegungshilfe zurückgezogen. Kessler warnt dennoch vor Alarmismus: Für das cflox-Modell sieht er „sehr, sehr gute Chancen“, dass es im Abschluss auch künftig nicht anders dargestellt wird als bisher. Unternehmen müssen nun evaluieren: An erster Stelle steht die betriebswirtschaftliche Entscheidung, dann die Bilanzierung. „Man sollte das Pferd nicht von hinten aufzäumen“, sagt Kessler. Wer sich für ein solches Instrument entscheidet, sollte seine Argumentation früh in einem Accounting-Memorandum festhalten und selbst auf den Abschlussprüfer zugehen: „Man muss sich vorher mit guten Argumenten wappnen und dem Abschlussprüfer eine nachvollziehbare Lösung präsentieren.“ Denn in der Rechnungslegung gehe es „nicht darum, die einzig richtige, sondern eine vertretbare Darstellung anzustreben“. Diese Weichenstellung beeinflusst zugleich, wie Banken und Ratingagenturen das Instrument bewerten.
Blick der Ratingexperten: Wann verbessern zusätzliche Zahlungsziele das Rating?
Zusätzliche Zahlungsziele verbessern also die Liquidität. Wie aber wirkt sich der Einsatz von cflox pay auf die Ratings der Banken und externen Agenturen aus? Martin Amann ordnet Working Capital-Lösungen als Finanzierungsinstrumente ein: „Es ist für uns ein mehr oder weniger neutrales Instrument, mit dem Vorteil, dass sich zusätzliche Liquidität generieren lässt.“
Im bankinternen Rating wirkt das vor allem dann positiv, wenn das Unternehmen mit der freigesetzten Liquidität Finanzschulden abbaut. Verschuldungskennzahlen verbessern sich dann spürbar. Amann nennt Working Capital-Finanzierung deshalb „ein akzeptiertes und weitverbreitetes Instrument“, um Kennzahlen und Rating zu verbessern. Hier schließt sich der Kreis zu Kesslers Ausführungen: „Der bilanzielle Ausweis ist der Startpunkt für die Analyse.“ Wird die Verbindlichkeit bei den Finanzschulden ausgewiesen, „würde hier keine Verbesserung stattfinden“.
Wie stark ein Unternehmen im Rating von Working Capital-Lösungen profitiert, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: vom Ausweis in der Bilanz und von der Verlässlichkeit des Programms. „Damit es neutral oder positiv wirkt, gehen externe Agenturen davon aus, dass ein Programm dauerhaft fortgeführt wird, auch dauerhaft in der Höhe“, betont Amann. Working Capital-Instrumente sollten daher idealerweise als fester Bestandteil der Finanzierung angelegt sein, nicht als einmalige Maßnahme zum Jahresende.
Amanns Rat für den Jahresabschluss: „Fokus auf Cashflow, und zwar den operativen Cashflow, den man steuern kann.“ Kurzfristige Working Capital-Optimierung könne zum Stichtag genau die Kennzahlen verbessern, auf die Banken und Ratingagenturen achten.
Fazit: Vor dem Stichtag die richtigen Weichen stellen
Zusätzliche Zahlungsziele wirken dann am stärksten, wenn sie kurzfristig umsetzbar sind, bilanziell der operative Charakter der Schuld Bestand hat und dauerhaft angelegt sind. Wer diese drei Punkte vor dem Stichtag klärt, macht den Jahresabschluss tatsächlich zur Stunde der Working Capital-Spezialisten